Google Pixel 2 XL Testbericht – Die (fast) perfekte Symbiose aus Hard- und Software

Seit einigen Wochen habe ich nun das Google Pixel 2 XL und in diesem Zeitraum habe ich es auch immer als Hauptgerät genutzt. Zeit das finale Fazit zu ziehen.

Vorab schonmal: Das Pixel 2 XL ist klasse. Zur Perfektion fehlt allerdings noch etwas. Was das neue Google Phone gut und was es schlecht macht, hier im Testbericht.

Hardware

Das Google Pixel 2 XL kommt in einem relativ kompaktem Gehäuse mit 6 Zoll Display und, im Vergleich zum kleinen Bruder, relativ wenig Bezel. Gefertigt wurde das Pixel 2 XL von LG und das merkt man auch. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hoch und bis auf das die Oberfläche hat das Gerät auf jeden Fall Ähnlichkeiten mit einem LG G6 oder einem LG V30. Durch die matte und auch leicht raue Polycarbonat-Beschichtung des Aluminium Gehäuses liegt das neue, große Pixel klasse und fest in der Hand.

Der, im Vergleich zum letzten Jahr, etwas größere Bildschirm fällt auf Grund des Formfaktors kaum ins Gewicht und ich habe ihn, trotz langer Nutzung des Vorgängers, kaum bemerkt. Sehr angenehm.

Designtechnisch wagt Google wenig. Das Design ist unauffällig und man könnte fast sagen langweilig. Kein Bling Bling oder sonstige Extravaganzen. Im Pixel-Design nicht fehlen darf das mittlerweile zur Ikone gewordene Glasfenster auf der Rückseite des Gerätes. Dieses ist allerdings ein wenig kleiner geworden und umfasst nun nicht mehr den Fingerabdrucksensor. Äußerlich zeigt das Pixel 2 XL schon was es erreichen möchte: Ein grundsolides Smartphone sein.

Kommen wir zum wohl umstrittensten Punkt am ganzen Gerät, dem Display. Mit LG als Hersteller hat man sich auf ein 6 Zoll POLED Display mit 18:9 Auflösung verständigt. Der Bildschirm löst mit QHD+, 2.880 x 1.4400 Pixeln auf. So weit so gut. Geschützt wird das Display von Cornings 3D Gorilla Glass 5. Dieses ist zu den Seiten abgerundet um keine scharfen Kanten zu erzeugen. Außerdem unterstützt das Display auch einen Always-On-Modus, der dank des OLED-Panels kaum Energie braucht.

Bei einem (P)OLED-Panel denkt man automatisch an farbenkräftige Fernseher und übersättigte, knallbunte Samsung-Smartphones. Genau das ist das Display des Pixel 2 XL nicht. Es wirkt eher blass und fahl. Das fällt einem beim täglichen Benutzen kaum auf, hält man ein anderes AMOLED Smartphone daneben, sieht man die Unterschiede in der Farbgebung dramatisch. Google bietet zwar in den Einstellungen einen „Kräftige Farben“-Modus für das Display an, effektiv bringt dieser aber nur sehr wenig. Erklärt ist dieses Problem ganz einfach. Google hat sich hier für eine begrenzte Auswahl aus dem sRGB Farbraum entschieden, der einfach weniger Farben umfasst. Samsung verwendet beispielsweise hier einen deutlich umfangreicheren Farbraum der auch kräftigere Farben zulässt. Google wollte ‚realistische‘ Farben und hat sich hier eben so entschieden. Allerdings wäre auch das via Software anpassbar und auch hier soll ein Softwareupdate noch kräftigere Farben bringen.

Zusätzlich hat das Display einen weiteren Bug. Dieser rührt allerdings von der Hardware her und lässt sich nicht via Softwareupdate korrigieren. Sobald man das Gerät ein wenig weiter nach links oder rechts neigt, erhält das Display aufgrund der Blickwinkel einen kräftigen Blaustich. Nicht schön, stört mich als User, der das Gerät ständig direkt vor der Nase hat, aber eher wenig. Der Bug ist auch nichts neues sondern auch bei anderen LG Geräten wie dem G6 und dem V30 in ähnlicher Form bekannt.

Für viele wird das Display dadurch zum absoluten Nogo, vor allem weil das Gerät auch recht teuer in der Anschaffung ist. Ich kann diese Argumentation zwar nachvollziehen, im Alltag bemerke ich aber selber keine Nachteile oder negativen Auffälligkeiten. Es gibt bestimmt auffälligere Displays, aber Google trifft hier wieder eine gute und solide Wahl.

Google verwendet im Verhältnis zur Displaygröße aktuell nicht das kompakteste Gehäuse, hat hierfür aber eine extrem gute Ausrede und Entschuldigung parat. Stereo-Frontlautsprecher. Und ich muss sagen das lohnt sich. Auch wenn ich ein MacBook, einen Desktop PC und mehrere Fernseher habe schau ich die meisten Multimedia-Inhalte auf dem Smartphone. Hier spielt vor allem YouTube eine große Rolle und das macht mit dem guten Sound der Frontlautsprecher deutlich mehr Spaß als bei anderen Smartphones. Andere Hersteller versuchen einen Stereo Sound über die Hörmuschel und nach unten gerichtete Lautsprecher an der Seite des Gerätes zu lösen. Das ist aber kein Vergleich zu den Frontlautsprechern. Für dieses Feature verzichte ich auch gerne in Zukunft weiterhin auf dünnere Bezel und bin froh, dass Google diese Wahl getroffen hat.

Chipsatz

Das Google Pixel 2 XL kommt mit dem aktuellsten Prozessor den Qualcomm momentan zu bieten hat. Auch wenn dieser schon einige Tage älter ist und bereits in einigen Flaggschiff-Smartphones zum Einsatz kam, ist dieser immer noch das absolute Highend im Android Bereich. Die Rede ist vom Qualcomm Snapdragon 835. Außerdem gibt es noch 4 GB Arbeitsspeicher. Nicht die allerbesten Spezifikationen, OnePlus verkauft mittlerweile Smartphones mit bis zu 8 GB RAM. Allerdings läuft das reine Android so gut auf der Hardware, dass man besser Spezifikationen wohl kaum bemerkt hätte.

Akku

Mit einer der beeindruckendsten Faktoren des Google Pixel 2 XL ist die Akkulaufzeit. Aus einem gigantischen 3.520 mAh quetscht Google so einiges heraus. Ich habe teilweise bis zu 8 Stunden Screen-On-Time mit einer Akkuladung erreicht. Dabei spielt es auch keine Rolle ob ständig im Wlan oder auch unterwegs mit mobilen Daten. Einfach nur beeindruckend.

Hinzukommt noch das Fast Charging. Sollte der Akku nach einem intensiven Tag tatsächlich vorzeitig drohen die Grätsche zu machen, verspricht Google mit 15 Minuten Laden bis zu 7 Stunden mehr Nutzungszeit.

Kamera

Und wenn wir gerade so im Lobrausch sind, machen wir mit dem nächsten Highlight weiter, der Kamera. Im DxoMark erhält das Pixel 2 (XL) den aktuell besten Score aus Video und Foto Performance. In Zahlen drückt sich das so aus:

Die Hauptkamera kommt mit einer Auflösung von 12 Megapixeln, einer großen Blende von f/1.8 und einem extrem schnellen Dual-Pixel Laserautofokus. Außerdem wird nun der reine Software Bildstabilisator vom Pixel aus dem letzen Jahr (welcher schon so sehr beeindruckend war) um einen optischen Bildstabilisator erweitert.

Vor allem Videos sind dadurch auch beim Rennen oder Fahrradfahren butterweich. Nachdem man letztes Jahr schon eine Weltklasse Kamera ins Pixel verbaut hat, setzt Google dieses Jahr noch einen drauf. Auch nachdem ich nun einige Tage das iPhone X daheim hatte muss ich sagen: Die beste Smartphone Kamera hat, Stand 20. November 2017, das Google Pixel 2 (XL).

Aber nicht nur der Kamera Sensor ist beeindruckend auch die Software die Google darum gebaut hat ist beeindruckend frisch und innovativ. Nehmen wir zum Beispiel den Porträt-Modus. Dieser wird bei Google rein über die Software errechnet und ist trotzdem On-Point. Vor allem wenn man hier den Vergleich zu Wettbewerbern zieht die hierfür sogar zwei Kameras auf der Rückseite nutzen. Hinzu kommt, dass Google das sowohl mit der Haupt- als auch mit der Frontkamera kann. Nice!

Links Hui und rechts Pfui…

Auch HDR, Motion Photos (Live Photos) und die sehr gute Low Light Performance stammen vor allem aus der gut optimierten Google Software, die aus den vorhanden Bildinformationen so viel herausholen. Wer sich die Beispielbilder in voller Auflösung antun möchte, kann dies direkt bei Google Fotos tun (Link).

Software

Google’s Pixel Smartphones kommen meiner Meinung nach mit der flüssigsten und besten Version von Android, die momentan erhältlich ist. Andere Hersteller erweitern zwar ab und an dieses Android um nette Features, nirgendwo läuft das aber so rund und smooth wie das Google Android auf einem Pixel.

Seit letztem Jahr baut Google sein Android immer weiter um den Google Assistant herum und mit Android 8.0 Oreo und dem Pixel 2 XL macht Mountain View einen weiteren Schritt in diese Richtung. So lässt sich der Google Assistant nicht nur über die Spracheingabe ‚Ok Google‘ oder über die Hometaste aktivieren. Nein, im Pixel wurde diese Funktion bereits in der Hardware verbaut. ‚Active Edge‘ nennt sich das Feature und lässt einen durch das zusammendrücken des Smartphone-Rahmen den Google Assistant triggern. Nach kurzem schon sehr intuitiv und einprägsam. Umbelegen lässt sich das Feature momentan nicht. Eventuell gibt es allerdings bald ein Tweak um über Active Edge zum Beispiel die Kamera zu öffnen.

Im gleichen Zug hat man die Funktionalität des Google Assistant auch noch erweitert. So hat dieser nun vollen Zugriff auch auf Systemebene und kann zum Beispiel Bluetooth, Flugmodus, NFC und so weiter regeln.

Außerdem spendiert Google dem Pixel 2 (XL) mit der Google Lens Integration in die Fotos App ein exklusives Feature. Hier wird in der Google Fotos App der ‚Lens Button‘ angezeigt. Beim Aktivieren durchsucht der Google Algorithmus bzw. die Google AI das Fotos nach Informationen und Bekanntem. Diese Informationen werden dann in einer Karte unterhalb des Bildes angezeigt. Funktionieren tut dies zum Beispiel bei bekannten Sehenswürdigkeiten, Plakaten, CD’s, Kunstwerken und so weiter.

Ein weiteres Pixel-Exklusiv Feature ist die Offline-Musikerkennung. Ein, wie ich finde, etwas gruseliges Feature. Hat man dieses Feature aktiviert, lauscht das Pixel 2 jederzeit und versucht Musik in der Umgebung zu erkennen. Der Song Name und Künstler werden dann auf dem ‚Always On Display‘ angezeigt. Das Ganze funktioniert auch ohne Internet Verbindung und das ist das einzigartige. Selbst im Flugmodus werden die Lieder einwandfrei erkannt und die Trefferquote war bisher 100 %. Keine Ahnung wie Google das macht. Shazam braucht zum Beispiel immer eine Internet Verbindung um das aktuelle Lied mit der Song Datenbank abzugleichen.

Ansonsten gibt es noch einige kleinere Neuerungen im Betriebssystem. So werden auf dem Homescreen und im App Drawer Apps mit einem kleinen Punkt markiert, wenn sie neue Benachrichtigungen haben. Neu ist ebenfalls der ‚Bild in Bild‘ Modus. So kann man zum Beispiel Netflix in einem kleinen Fenster schauen während man im Browser rum wischt.

Alles in allem ist das Bild der Sofware sehr rund. Bugs im Betriebssystem konnte ich bisher fast keine erkennen. Das Ganze ist gut optimiert und läuft klasse. So sollte das überall sein.

Fazit

Insgesamt fällt für mich das Fazit zum Pixel 2 XL sehr positiv aus und es ist ein würdiger Nachfolger zum Gerät vom letzten Jahr. Ja, es hat teilweise Probleme und die liegen vor allem beim Display. Das möchte ich auch gar nicht schön reden. Ich denke aber, dass einiges davon noch via Software-Update verbessert werden kann. Teilweise war dies aber auch von Google so gewollt (siehe zum Beispiel das Thema ‚Kräftige Farben‘) wir sind es nur momentan von anderen Herstellern anders gewöhnt.

Das Pixel 2 XL legt aber meiner Meinung nach einen sehr spannenden und für mich interessanten Fokus. Weniger Bling-Bling und äußerliches Aufsehen, dafür aber mehr innere Werte und clevere Details. So auch die Konzentration auf eine Hammer Kamera, eine klasse Akkulaufzeit und das mit Google’s smartem Android. Nette Features wie Offline-Musikerkennung, Stereo Frontlautsprecher und Active Edge runden das gute Gesamtbild des Pixel 2 XL zusätzlich ab. Alles Dinge die ich nicht mehr missen möchte und weshalb das Google Pixel 2 XL, trotz eines Preis von 949 €, mein Daily Driver auch über drei Wochen hinaus geworden ist. #TeamPixel

Google Pixel 2 XL

949 €
Google Pixel 2 XL
9.2

Design

9.0/10

Display

8.0/10

Hardware

10.0/10

Software

9.0/10

Akku

10.0/10

Pros

  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • Klasse Kamera
  • Bildstabilisierung in Videos
  • Stereo Frontlautsprecher
  • Google Android

Cons

  • Display bei vielen mit Problemen
  • Preis
  • Herausstehende Kameralinse

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