Der Zustand von Android Wear am Beispiel der Moto 360 und der ZenWatch

Ich bin ein Smartwatch Advokat. Ich renne jetzt seit Jahren mit einer LG G Watch durch die Gegend und habe sicherlich die Hälfte der Android Wear Watches mal ein paar Tage am Arm gehabt. Ende letzten Jahres hatte ich dann die Moto 360 2nd Generation und die Asus ZenWatch 3 als Testgerät und kämpfe seitdem mit mir. Ich weiß nicht genau was ich in den Testbericht schreiben soll. Beide Uhren laufen stabil, beide halten einen Tag und manchmal zwei Tage mit einer Ladung durch. Sie unterscheiden sich nur in Kleinigkeiten. Bei beiden war meine erste Idee der Überschrift „yet another Android Wear Smartwatch“. Kreativ, ich weiß.

Für mich ist der Gradmesser von Technik immer „Lohnt sich ein Upgrade?“ und bei Android Wear ist das meistens einfach nicht der Fall. Bisher gibt es immer noch nur Android Wear 1.0 und 2.0 ist erst für den 09. Februar gerüchteweise angekündigt. Welche Uhren es genau bekommen ist zurzeit noch unsicher. Man kann bei der Huawei und bei der LG Urbane davon ausgehen, weil sie bereits die Entwickler Preview haben, aber sonst? Wahrscheinlich braucht Android Wear Hardwareknöpfe, dann würde meine LG G Watch nicht mehr gehen. Man liest aber auch, dass die Entwickler bei Google hier wieder einen Schritt zurückgerudert sind. ¯\_(ツ)_/¯

Gemeinsamkeiten von Android Wear Uhren

Alle Android Wear Uhren verbindet eine relativ kurze Akkulaufzeit von 1-3 Tagen. Man kann jede laufende Medienwiedergabe auf dem Telefon damit steuern. Egal, ob ich Netflix, Spotify oder Google Music höre oder ob ich es auf einen Chromecast, Spotify connect Gerät oder sonstwo abspiele, ich kann mit meiner Uhr Play/Pause und oft auch noch skip steuern. Mir werden meine Nachrichten angezeigt. Das Ding ist ein mäßiger Schrittzähler und wenn es eine companien App für die Uhr gibt, dann laufen alle Android Apps auch einfach auf jeder Uhr.

Jeder Hersteller hat dann in der Regel noch seine eigene (crappy) Lösung für Fitnessbelange. Diese Apps unterscheiden sich aber nur im Aufbereiten der Daten und es ist deshalb absolute Geschmackssache welche man präferiert. Motorolas Moto Body finde ich persönlich einfach besser designed als Asus‘ Zen Fit.

Alle Android Wear Uhren bringen Zifferblätter mit und alle Uhren erlauben das nachinstallieren von anderen Zifferblätter. Ich bin da altmodisch, ich habe eines und installiere das auf jede Uhr. Mehr zu meinem watch face findest du hier.

Unterschiede

Android Wear unterscheidet sich vor allem im Aussehen, im Preis und ganz kleinen Features.

Die ZenWatch 3 hat zum Beispiel eine Schnellladefunktion und ein Ladekabel. Das ist auch für mich DER Grund, der für die ZenWatch spricht. In 15 Minuten kann man mal eben 60% des Akkus aufladen. Man kann also die Uhr auch mal nachts tragen und die Schlaftrackingfunktionen benutzen und dann morgens, während man unter der Dusche ist, schnell die Uhr laden lassen. Das Kabel ist auch wesentlich leichter Mal mitzunehmen. Es gibt kein riesiges Ladedock, das Platz wegnimmt und unterwegs findet man immer mal 15 Minuten, in denen man seine Uhr laden kann. Mit 60% kommt man auch wieder eine ganze Ecke weiter. Man kann sich ein übrigens auch ein Ladedock nachkaufen, falls man das Kabel im Alltag zu wackelig findet. Da die magnetische Verbindung sehr stark ist, hatte ich mit dem Kabel aber wirklich keine Probleme.

Die Moto 360 hat dafür eines dieser „unpraktischen“ Ladedocks und man hat damit eine der schönsten Uhren für den Nachttisch. Ich liebe diese Funktion einfach. Ich persönlich trage meine Uhr nachts nicht und kann deshalb eh kein Schlaftracking machen. Allerdings nervt es mich im Urlaub, oder wenn man mal mehr als einen Tag wo anders übernachtet. Ich „schleppe“ das Ladedock nicht immer mit. Da wäre ein zweites Kabel im Lieferumfang geil.

Hardware Vergleich von ZenWatch und 360

Beide Uhren sind nicht wirklich outdoor geeignet. Es sind Alltagsuhren, beide sind IP67 Staub- und wassergeschützt und haben GorillaGlas 3. Die Displays beider Uhren sehen für mich gleich aus, unterscheiden sich aber von den Specs her. Die ZenWatch 3 hat 287ppi, während beide Modelle der Moto 360 mit 263 und 233ppi darunterliegen. Die ZenWatch wird von einem Qualcomm® Snapdragon™ Wear 2100 betrieben, während die Moto 360 noch einen Snapdragon™ 400 hat.

Die Moto 360 hat einen Knopf zum Bedienen, man kommt damit auf dem Home Screen zurück. Die ZenWatch 3 hat 3 Knöpfe. Mit dem mittleren kommt man auf den Home Screen mit den zwei äußeren Knöpfen kann man Apps direkt starten. Diese Funktion klang am Anfang sehr cool, habe ich aber nie benutzt. Asus selbst wirbt mit einem erhöhten Bedienkomfort.

Aber jetzt mal Butter bei de Fische. Das ist doch alles scheiß egal. Beide Uhren performen gut im Alltag. Man merkt quasi keinen Unterschied. Es kann sein, dass die Moto 360 minimal langsamer ist. Ich habe davon nichts bemerkt. Android Wear ist so gleich auf allen Uhren, dass es von der Software her quasi egal ist welche man kauft. Entscheiden tut man doch am Ende bei einer Uhr, deren Plattform identisch ist, wegen der extra Feature und des Aussehens und eventuell des Preises. Ich persönlich würde die ZenWatch 3 nie kaufen, weil ich sie nicht schön finde. Andere sehen das mit der Moto 360 so, weil sie den flat tire doof finden. #Geschmackssache. Wieder andere brauchen GPS und damit fallen beide Uhren raus.

Was man sich im Moment auch überlegen muss, ist die Antwort auf die Frage „Kaufe ich mir jetzt, bevor Android Wear 2.0 rausgekommen ist, eine neue Android Wear Uhr?“ und da  kann ich nur Nein sagen. Zumindest nicht bis man nicht weiß welche Uhr auch ein upgrade bekommt. Auch die Frage nach einem lohnenden Upgrade kann ich nur mit Nein beantworten. Keine der Uhren kann mehr als meine LG G Watch. Okay, sie haben WLAN und sind dadurch nicht mehr auf BT angewiesen, aber auch hier sage ich, dass merke ich im Alltag einfach nicht. Die Knöpfe habe ich bisher nicht gebraucht und bis ich nicht weiß ob ich sie mit Android Wear 2.0 brauche, halte ich mich hier mal zurück. Meine LG G Watch bekommt zum Beispiel gerüchteweise kein Update mehr, weil LG Uhren nur 2 Jahre unterstützt. -.- Wenn man dann Knöpfe für Android Wear 2.0 braucht, dann würde ich mir ein Upgrade überlegen.

Fazit

Die ZenWatch und die Moto 360 sind beides gute Uhren, aber ich kann sie im Moment niemandem empfehlen, der nicht entweder dringend eine neue Uhr braucht, weil die alte kaputt ist oder dem das nicht sichere Update auf Android Wear 2.0 egal ist. Sorry. ¯\_(ツ)_/¯

Jens Kessler

Jens Kessler

Redakteur bei thedroidgeeks.de
Ich bin ein Technikenthusiast und ein Liebhaber von schönen Dingen. Als angehender Lehrer interessieren mich nicht nur die pure Technik, die nackten Zahlen und das schärfere Display, sondern auch die gesellschaftlichen Implikationen. Wie verändert Technik unser Leben und das Leben der zukünftigen Generationen? Welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich in der Bildung? Wie wird Technik gesellschaftlich aufgenommen?
Jens Kessler

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